1. Fall von Tech-Doping im Radsport

Für den Profisportler gibt es zahlreiche Substanzen, die mehr oder weniger nachweisbar, Leistungen steigern können. Glücklicherweise sind fast alle verboten. Doch jetzt gibt es den 1. Fall von Tech-Doping! Wer und was dahinter steckt, lest Ihr in diesem Artikel.

Technisches Doping im Radsport – 1. Fall beim Cyclocross U23 Worldcup

Die Fangemeinde des Cyclocross wächst rasant. Vor einigen Jahren war es „nur“ ein Phänomen aus den Niederlanden und in Belgien. Inzwischen ist diese Art von Rennen auch in Deutschland sehr beliebt. Während der Profi-Radsport der GrandTours seinen Lord Voldemort in Persona des Herrn A aus den USA bereits seit Jahren hat, war es beim Cyclocross bisher noch nicht zu Negativerscheinungen gekommen. Bis jetzt.

Femke Van Den Driesche in 1. Fall von Tech-Doping im Radsport
Tech-Doping am Bike – Femke van den Driesche überführt.

Ich kann mir eine gewisse Schadenfreude nicht verkneifen, doch auch der CX-Bereich ist offensichtlich nicht von unfairen Sportlern gefeit.

Während die UCI als Dachverband auch hier schon längst Dopingproben der Fahrer nimmt und das Thema hier auch aktiv angegangen ist, wurde offensichtliches übersehen. Tuning am Bike.

Den Titel „Lady Voldemort“ hat sich nun die Belgierin Femke van den Driesche eingefangen und dürfte diesen wohl auch nicht mehr loswerden.

Beim UCI-Cyclocross U23 Worldcup in Zoldern fand man an ihrem Rad technisch unzulässige Veränderungen, die gegen die Regeln der UCI verstoßen. Die Rede ist hierbei von einer zusätzlichen Motorisierung.

Wie jetzt? Einen Motor im Fahrrad verstecken? Quasi ein E-Bike in Cyclocross-Optik? Geht nicht!

Geht doch! Und zwar so hier:

Mech-dope in 1. Fall von Tech-Doping im Radsport
Technisches Doping am Rennbike -Motor und Getriebe wirken direkt auf die Kurbelachse.

Irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, genau diese Konstruktion erst von knapp 18 Monaten bei Kickstarter gesehen zu haben. Die Technik ist so einfach wie genial. Ein kleiner Motor treibt über Umlenk-Zahnräder direkt die Kurbelwelle zwischen den Pedalen an. Diese ist natürlich entsprechend angepasst und enthält das entsprechende Zahnrad-Gegenstück für den Motor. Die Lager sind bei diesem Typ Bike sowieso als Pressfit-Lager am Rahmen fest.

Bike Tuning Doping in 1. Fall von Tech-Doping im Radsport
Eine normale Übertragung der Motorkraft auf eine Hollowtech-Achse.

Eine runde Batterie sitzt genau über dem Motor und treibt das ganze dann an. Die Ein-/Aus-Funktion läuft über einen Mikro-Taster am Lenker. Ein kleines Kabel, welches sich ebenfalls gut im Rahmen verstecken lässt. Komplett unsichtbar für das Auge des Nicht-Tüv-UCI-Prüfers. Der Clou dabei: Der Motor kann bis 200W kurzzeitig zusteuern. Das ist schon eine Hausnummer. Mal so als Beispiel: Ich bin selbst weder Profi noch übermäßig ambitioniert, wenn ich mit dem Rennrad unterwegs bin. Auf einer Haus-und-Hofrunde durch die Gemeinden in der Umgebung komme ich bei entspannter Herz- und Trittfrequenz und einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 26km/h selbst bei einer 30km-Strecke nicht über 160Watt Leistung. Nachweisbar auch über meinen Strava-Account oder hier einer recht flachen Strecke nach Samtens auf der Insel Rügen.  Ok. Mit einem tauben linken Oberschenkel und fehlenden 30% Beinkraft ist auch nicht viel mehr zu erwarten, doch solange es noch Spaß macht….

Aber ganz erhlich: 200W per Motor hinzuschalten? Das ist schon ziemlich krass. Vor allem, wenn man es bei einem offiziellem UCI-Rennen macht.

Schäm Dich, Femke! Wenn Du E-Bike fahren willst, mach es in der Stadt und nicht bei Wettkämpfen!

Die UCI sieht übrigens bei solchen Verstößen Sperren für Rennen ab 6 Monaten vor und Geldstrafen von 20.000 bis 200.000 Schweizer Franken für das ganze Team. Also von mir aus viel zu wenig. Gerade die CX-Saison läuft nur im Winter in Hochform und die Teams schütteln auch höhere Geldbeträge recht leicht aus dem Ärmel oder der Portokasse. Ein technisch dopender Sportler sollte in meinen Augen genauso gesperrt werden, wie ein EPO-Spritzer. 2 bis 3 Jahre Sperre für den Fahrer und der Ausschluß des Teams von der aktuellen Saison sollten hier ein für alle mal alle davon abhalten, technische Hilfsmittel zu benutzen.

Natürlich beteuerte Femke van den Driesche ihre Unschuld. Sie hätte nichts davon gewusst, dass Ihr jemand einen Motor und einen Extra-Schalter angebaut hat. Ja, wer’s glaubt! Das merkt man schon am Gewicht, denn selbst die hochwertigste Konstruktion dürfte gut 600 Gramm wiegen und ich merke als Nicht-Profi sogar, ob meine Werkzeugtasche am Rad hängt oder nicht. Mal ganz zu schweigen vom Schalter am Lenker.

Inzwischen gibt es für diese Art von Techniktuning noch weitere Verdachtsfälle, die aber wohl nicht mehr aufgeklärt werden können.

Cancellara in 1. Fall von Tech-Doping im Radsport
Fabian Cancellara – Tech-Doper oder Übermensch?

Beispielsweise steht der große Fabian Cancellara in der Kritik, bei mehreren CX-Rennen so extrem andere Fahrer überholt zu haben, was ohne Hilfsmittel angeblich nicht möglich gewesen wäre. Ok, wenn alle aus dem Sattel gehen und im Wiegetritt mit starkem Armeinsatz am Berg auf Kopfsteinpflaster hochhecheln und er sitzen bleibt und in einem „Affenzahn“ vorbeidonnert ohne Wiegetritt, ist das schon kritisch.

Bei der Stelle, hier auf dem Bild geht es noch ein ganzes Stück auf Kopfsteinpflaster bergauf und oben kommt Cancellara mit zig-Metern Vorsprung an. Ok. Der Mann hat Kraft und Ausdauer, aber soviel?

Ryder Hejsedal wird ebenso bei der Vuelta 2014 technisches Doping unterstellt.  Er steht in der Kritik, da dessen Rad sich nach dem rutschen auf dem Asphalt plötzlich um die eigene Achse drehen wollte. Hinterrad auf dem Boden, Vorderrad im Stillstand, Lenker auf dem Asphalt und plötzlich dreht sich das ganze Rad sehr schnell um den Lenker. (????) Ein mögliches Zeichen, dass sich der Motor durch den Sturz zuschaltete und das Hinterrad durch die Kraftübertragung auf die Kurbel einen Spinn bekam? Keine Seltenheit also?

Bleibt zu hoffen, dass es Einzelfälle bleiben und der Sport auch in Zukunft im technischem Bereich sauber bleibt. Gegen Energy-Drinks und Carbo-Load hat ja keiner was, doch wer E-Bike fahren will, sollte das auch in der entsprechenden Liga machen.

Ungetunte Grüße

//O.F.