Alter Stahl und neue Technik – So geht’s

Ältere Rennräder und MTB’s üben auf viele Fahrradfans mit sportlichen Ambitionen einen gewissen Reiz aus. Die Stahlrahmen scheinen unverwüstlich und sind vom Material oft kaum schwerer als Einsteigergeräte beim Fachhändler. Doch manchmal lohnt sich eine Optimierung in moderne Technik. Hier unser aktuellster Umbau.

Lenkerumbau an alten Stahlrädern – Geschraubt und Verbessert

Ein altes Stahlrahmen-Fahrrad ist noch lange nicht schlecht, nur weil es aus Stahl ist. Die MTB’s und ATB’s aus Ende der 90er und 2000 sind zur Zeit sehr begehrt für Umbauten zu Cyclocrossern und Wanderrädern und auch alte Rennrad-Rahmen gehen noch immer zu guten Kursen weg. Dies liegt vor allem in der hohen Verarbeitungsqualität der Marken, die vor 10 bis 15 Jahren gefühlt eben noch deutlich höher war als heute. In vielen Fällen sind sie sogar handgearbeitet. Viele Freizeitsportler benutzen eben genau diese Räder auch als Freizeitrad, Schlechtwetterrad oder für spezielle Einsatzgebiete. So auch hier bei uns.

Rennrad Raleigh Shimano Sor in Alter Stahl und neue Technik - So gehtsEin 86er Raleigh Record Sprint Rennradrahmen leistet fast täglich gute Dienste beim Training auf der Straße und auf der Rolle. Da er damals „ohne alles“ kam, viel die Wahl des Aufbaus nicht schwer. Ran was da ist und was fehlt kommt neu. Inzwischen fährt der Rahmen mit Fulcrum7 und kompletter neuer Sora-Gruppe aus der 3400er-Serie ziemlich fix über das norddeutsche Flachland.

 

Für alte Stahlfahrräder gibt es zwei Möglichkeiten, wenn man etwas schrauberaffin basteln will.

1. Tadelloser Originalzustand wie im Katalog oder

2. Alter Rahmen und moderne Technik.

Wenn man also nicht gerade den originalen Katalogzustand erhalten will oder muss, lässt sich auch aus einem altem Rahmen noch ein leistungsfähiges Fahrrad bauen und moderne Teile sorgen dabei für den entsprechenden Komfort. So war es auch in diesem Fall. Gestern bekam dieses Raleigh nun auch ein neues Upgrade im Lenkerbereich. Ein moderner und sehr leichter FSA Comfort in der neuen Wing-Form sollte es sein, der etwas mehr Fahrkomfort bei den Trainingsrunden bringen soll. Doch leider gibt es diese nur mit einer Schaftklemmung von 32,8 mm. Standard ist an alten Rahmen aber 1″ mit 26mm Klemmung. Also stand ein Umbau des kompletten Vorbaus an.

Um einen Umbau auf einen modernen Rennlenker zu realisieren, hat man genau zwei Möglichkeiten:
Entweder Steuersatz ausbauen und gegen Semi-Integrierten-Steuersatz für Ahead tauschen und gleich eine neue Gabel mitbestellen um dort dann einen Ahead-Vorbau nebst Lenker zu montieren, oder mit Ahead-Adapter und neuem Ahead-Vorbau dann den neuen Lenker montieren. Letztere Variante ist deutlich preiswerter und erhält auch teilweise den Look eines klassischen Rades, da die gebogene Gabelform erhalten bleibt.

Wir entschieden uns für die letztere Variante. Ein Ahead-Vorbau mit Adapter kombiniert. Die Optik des alten Rades sollte schon erhalten bleiben und mit einem FSA Comfort  Da die Sitzposition mit einem 60mm-1″-Vorbau perfekt war und der neue Lenker 20mm weniger Reach hat, musste also ein längerer Vorbau mit 80mm her.

Ahead Adapter in Alter Stahl und neue Technik - So gehtsEs gibt inzwischen seit einiger Zeit sogenannte Ahead-Adapter, die den standardisierten 1″-Schaftvorbau ersetzen. Diese werden einfach an deren Stelle montiert. Darauf kommt der Ahead-Vorbau und daran dann der Lenker. Das funktioniert nicht nur bei Rennrädern, sondern bei allen anderen Fahrrädern auch. Hier kann man viel optimieren, da auch eine Vielzahl an Vorbauten angeboten werden. Verschiedene Winkel, Verstellgelenke und Längen.  Gesagt, getan. Teilchen bestellt und losgelegt.

Und so sieht es dann aus:

Lenkerumbau Rennrad in Alter Stahl und neue Technik - So gehts

Was hat es gebracht? Eine kleine Testrunde brachte sofort die erwarteten Ergebnisse.

Die Hoods der STI’s stehen jetzt leicht steiler und sind besser zu greifen. Die Entfernung vom Sattel und die Position des Lenkerrohres für den Obergriff sind – durch die Verlängerung des Vorbaus auf 80mm – wieder gleich. Es fühlt sich reichlich stabiler an als vorher. Nicht so gefühlt wackelig. Der Griff in den Unterlenker ist schneller und man sackt nicht so tief weg. Über 40mm weniger Drop! Auch hier gibt es mehr Komfort zu verzeichnen. Gefühlt mehr Fahrstabilität und damit Sicherheit.  Der neue FSA Comfort, nebst Ahead-Adapter und X-tas-Y Vorbau sind zusammen ganze 70g leichter als die vorherige Kombination. Ein netter Nebeneffekt.

Fazit: Die Investition von knapp 65 Euro für alles, hat sich durchaus gelohnt. Der Ahead-Vorbau kommt allerdings noch in schwarz. Weiss passt nicht so ganz, doch es steht ja noch ein Damenrenner von Bianchi am Ständer, der auf einen Umbau wartet. Ein paar Spacer unter dem Vorbau wären ganz nett gewesen oder vielleicht der Adapter auch in schwarz. Damit der Abstand vom Steuerkopf zum Vorbau verschwindet, wurde dieser dann nochmals auf positiv gedreht und der Ahead-Adapter ganz eingeschoben. Das Fahrverhalten wurde damit noch stabiler und besser sieht es sowieso aus.

Was demnächst noch ansteht:

Das Rad soll demnächst noch auf die 2015er Sora 3500-Gruppe geändert werden und zukünftig auch 3fach/9fach schaltbar sein. Etwas Anpassung für kommende Bergstrecken in einer Region mit ordentlich Höhenmetern. Doch dazu später mal mehr.

Mal sehen, was die Bastellaune noch so mit sich bringt und wann es endlich mal fertig ist.