Bikedesign statt Logowahn

Wieviel kann man eigentlich auf ein Fahrrad schreiben? Gerade bei Renn- und Cyclocrossern, deren Rahmen und Räder doch eigentlich filigrane Ingenieurskunst sind, nimmt das Bikedesignmarketing manchmal schon kuriose Formen an. Zählt doch mal die Logos am Rad durch. Ihr werdet staunen.

Wieviel Label muss auf ein Rad?

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Raleigh Record Sprint Aerospace – Ohne Label geht’s auch.

Irgendwie mag ich meinen abgelabelten Raleigh so ganz gerne, wie er aktuell ist. Und dennoch stören mich die restlichen Logos ungemein. Wenn es nach mir ginge, könnte einzig das Steuerkopfschild bleiben. Selbst bei meinem Stahlracer stehen noch Logos am Lenker, auf den Reifen und Felgen. Wenn ich es dann mal schaffe, die neuen Fulcrum 5 fertigzumachen, kommen die gleich ganz ohne Label an das Rad.

Neue Bikes gehen da so richtig in die Vollen. Egal ob MTB, Cross- oder Roadbike. Logos und Text wohin das Auge blickt. Dazu noch das Navi auf dem Lenker mit bunten Blinkebildchen und schon ist das Optische Chaos perfekt. Manchmal droht einem dabei schon ein wenig Augenkrebs.

 

Zählen wir mal durch, wo an einem modernen Rennrad / MTB heute Logos verbastelt sind:

  • Lenkerband natürlich besonders bei XLC, Deda, fizik immer gerne mit Logos. Eine Zeit lang habe ich mir angewöhnt, die Bänder so zu wickeln, dass die Logos wieder verdeckt waren.
  • Lenker, Vorbau, Bremsgriffe – Mindestens immer mit Logoschriftzug, Größenangabe, NM-Vorgabe und wenn noch Platz ist ein Bildlogo.
  • Sattel – neben Decals sind auch immer gleich ganz groß die Markenzüge zu finden. Es scheint so, als wär dezent nicht mehr angesagt.
  • Gabel – Natürlich. Soll ja jeder sehen, was drinsteckt. Meist sogar auch von der Innenseite mit einem Schriftzug versehen.
  • Rahmen
    Frameset-300x254 in Bikedesign statt Logowahn
    Viel Platz ist nicht mehr. Cannondale geizt nicht mit Schriftzügen

    Ganz schlimm. Seit ca. 2014 werden die Rahmen übermäßig stark mit Schriftzügen, Logos, Komponenten und sonstigen Infos – meist sogar sehr sinnlos – beklebt. Wozu bitte „Disc-Brake-Edition“ am Hinterbau? Sieht man doch, dass das Teil mit Scheibe bremst. Oder die Webseite des Anbieters. Gut zu wissen, aber wer nach einem Rad sucht, macht das meistens nicht direkt. Auch Kettenstreben, Sattelrohre und Stützrohre werden permanent mit Logos und Schriftzügen verziert. „integrated drop-out“ beispielsweise. Aha. Wären wir nicht darauf gekommen, dass das Ausfallende am Rahmen integriert ist. Versender Canyon macht wenigstens nur seinen eigenen Schriftzug auf die üblichen Stellen und die Radbezeichnung. Den Logo-Webadressen-Schriftzug allerdings bis zu 9x. Hier stimmt aber wenigstens der Schriftstil. Denkt man da mal an die Mifa, wird’s richtig gruselig. Heißt das nun M1I1  oder Mifa?

  • Felgen und Reifen
     in Bikedesign statt Logowahn
    Weniger wär manchmal mehr. Beispielsweise bei diesen Campa Laufrädern

    Die Reifenhersteller haben langsam wieder den Trend zu weniger entdeckt. Dagegen sind die Felgenhersteller noch beim ausloten, wieviele Aufkleber man wirklich auf eine Felge bekommt. Je höher, desto besser. Campagnolos Bora sind da das predestinierteste Beispiel. Fett drauf. Soll ja jeder wissen, dass es Carbon ist. Als ob man das bei der Höhe nicht sehen würde. Mavic und andere Hersteller stehen dem inzwischen in nichts nach.

 

Last but not least. Der Händleraufkleber, wenn man denn im Fachhandel kauft,  mit Adresse und Telefonnummer und natürlich auch mit Logo darf natürlich nicht fehlen.

Gibt es eigentlich noch richtiges Bikedesign oder unterliegen wir alle schon dem Logo- und Beschriftungswahn?

Ganz schön viel, oder? Zähl doch mal durch. Wieviele „Aufbackers“ sind es bei Dir?

Schönes Wochenende wünscht

//O.F.