Defekthexen lieben Klassiker –

Defekthexen scheinen es nicht nur auf alte Autos abgesehen zu haben, sondern auch auf alte Rennräder. Bei älterem Material fühlen diese sich wohl besonders stark und schlagen kräftig zu. So muss nun auch der Stahl-Racer ein paar Wochen pausieren, bis ihm der Hexenschuss wieder ausgetrieben ist. Nur artet das diesmal fast in eine Vollsanierung aus.

Stahl-Racer mit Hexenschuss

Bereits in den letzten Tagen merkte ich verstärkt, dass am Hinterrad vom Stahl-Racer etwas nicht stimmt. Ab und an rutschte das komplette Ritzelpaket, wenn man kräftig in die Pedale trat. Na toll. Ich habe es ja auch erst ein paar Wochen. War ja klar, dass schnell was kommt.

Mit dem umlegen auf einen anderen Gang und dem damit verbundenen Geschwindigkeitsverlust lief es dann wieder, als wäre nichts gewesen. Zu sehen war nichts. Weder am Ritzel, noch an der Kette.

Grund genug, die Sache mal zu beobachten und auszureizen und gegebenenfalls mal auseinander zu nehmen. Hier zeigte sich der Übeltäter schnell. Das Ritzelpaket ist von vorne mit einer Sicherungsscheibe verschraubt und steckt auf  konischen Rillen (ähnlich neuer Stecksysteme) auf dem Freilauf des Rades.

Die Sicherungsmutter, oder besser der Ring sitzt vorne an der Narbe und wird aufgedreht. Das System war leider nicht einmal mehr meinem Freundlichen bekannt. Der Freilauf liegt, anders als anderen Schraub- und Steckkränzen,  in der Kassette. Da der Sicherungsring durch die Vorbesitzer der letzten 26 Jahre wohl auch oft mit einer Wasserpumpenzange bearbeitet wurde und oft wohl auch zu Reinigungszwecken demontiert wurde, war der von außen genauso abgelutscht wie das Gewinde auf der Radnabe.

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Maillard Helicomatic mit defektem Freilauf

Na, Danke. Auf dem Bild kann man die abgefressenen Gewinde gut sehen. Die Rillen der Radnabe sind auch reichlich abgeschliffen. 26 Jahre zeigen deutliche Spuren.  Diese paar Milimeter Materialabrieb reichen eben aus, um den ganzen Kranz rutschen zu lassen. Die Radnabe lässt sich leider nicht zerlegen und tauschen. Schade eigentlich, denn die 14-24er-Stufung machte den Stahl-Racer richtig schnittig.

Reparatur, aber wie? 

  • Möglichkeit 1 – Die Suche nach genau so einer Radnabe ist fast unmöglich und damit scheidet die Version – gleiche Nabe kaufen und umspeichen lassen aus. Es gibt sie in der eBucht bei französischen Händlern, doch die Preise sind exorbitant.
  • Möglichkeit 2 – Andere Nabe kaufen. Dies hat aber den Effekt, dass ein neues Ritzelpaket notwendig wird, da das alte durch die konischen Rillen nicht passt. Zudem die Umspeichung – In Summe zu teuer.
  • Möglichkeit 3 – Neues altes Laufrad. Die Preiswerteste Lösung mit dem Risiko, dass dieser oder ein ähnlicher Defekt nach ein paar hundert Trainingskilometern wieder auftaucht. Nicht ideal aber dem knappen Budget geschultet, noch die beste Lösung.
  • Möglichkeit 4 – Gleich einen modernen und kompletten Laufradsatz. Dann ist jedenfalls für die nächsten 5tkm Ruhe und falls wir doch mit den Trainingsrädern die Vätternrundan 2013 fahren müssen, liegt die Tour da im Kilometerrahmen.

Update: Möglichkeit 5 – Reparieren. Entweder kann man das Gewinde durch einen Profi nachschneiden und etwas verlängern lassen. Knapp 1,5 Milimeter stünden zur Verfügung. Reparaturmöglichkeit 2 wäre das Einkleben mit Metallklebstoff. Darauf brachte mich ein befreundeter Schlosser. Dabei muss allerdings das Rad während des Härtungsvorganges in Bewegung sein, sich quasi permanent drehen. Eine Konstruktion müsste gebaut werden, damit der Kleber bei der Montage nicht in den Freilauf und die Lager gelangt. Ist aber – so der Schlosser – weniger Kompliziert. Wir werden uns das am Wochenende mal ansehen. 

Preiswerte und nicht allzu billige Laufradsätze für Rennräder – allerdings ohne Kranz –  gibt es schon ab 140 Euro. Neue Decken drauf und Schläuche drunter und dann sind wir schon bei 220,- Euro. Gute und fertige Komplettsätze mit allem drum und dran gibt es ebenfalls ab diesem Preis. Das haut wieder ordentlich ins Budget. Leider fand sich gerade ein ordentlicher Rollentrainer für das Wintertraining von Mario und mir, der vor wenigen Tagen angeschafft wurde. Das Privatbudget ist damit wieder alle.

Das Projekt gestaltet sich als sehr kostspieliges Unterfangen. Irgendwie hätte ich mit dem Geld schon meinen alten Oldtimer so reparieren lassen können, dass er verkehrstauglich geworden wäre. Leider verkaufte ich ihn, da das Budget für die Tor-Tour verplant wurde und dieser dann nur ein weiteres Jahr herumgestanden hätte.

Damit fällt das heutige RSC-Training für mich ersteinmal aus. Das Abschlusstraining in der nächsten Woche damit wahrscheinlich auch. Man kann zwar noch mit dem Rad rollen und langsam fahren, doch das Risiko, irgendwo im Landkreis mit endgültigem Defekt hängen zu bleiben oder mit einem blockierendem Hinterrad oder einer hackenden Kette bei 40 in den Graben zu fliegen, ist mir entschieden zu hoch.

Hier muss jetzt erst die Reparatur erfolgen und Mario hat ja das Bulls unter sich.

Update 2

Zweikomponentenkleber erwies sich als Ideallösung. Da ich nicht vorhatte, da nochmal ran zu wollen, klebte ich das Ritzel samt Festschraubsicherung komplett ein und ließ das Rad mit Hilfe einer Bohrmaschine und einem Polieraufsatz während des Trocknungsvorgangs drehen. Jetzt ist das Ritzel bombenfest. Allerdings geht es auch nicht wieder ab. Demnächst wird es dann doch noch ein Upgrade in Richtung moderner Laufradsatz geben. Ich habe da schon was im Auge, was mir gefällt.

Guter Rat und gutes Rad ist wie immer teuer, meint

//O.F.