Fahrradfachhandel vs. Internet – Unterstüzte Deinen Fahrradshop

Der Weg zu manchem Fachhändlern macht manchmal so rein gar keinen Spaß. Es ist teilweise fast so wie der Gang zum Arzt oder besser ein Gang zum Händler des geringsten Misstrauens. Warum Du Deinen lokalen Fachhändler trotzdem unterstützen solltest, erfährst Du in diesem Artikel.

Warum Du Deinen lokalen Bikeshop untestützen solltest

Wer erinnert sich noch an Videotheken? Die jüngeren Leser dürften sich bereits jetzt fragen: „Was ist das?“ Droht dem Fachhandel das gleiche Schicksal? Um der jüngeren Lesergemeinde die Auflösung vorweg zu geben: Videotheken waren Läden, in denen man sich aktuelle Filme auf einer Videokassette oder auch Konsolenspiele für einen bestimmten Zeitraum ausleihen konnte. In Zeiten des Downloads, Streamings, IP-TV, Youtube und der ganzen hübschen Alltagstechnologien, sind diese Läden fast gänzlich verschwunden. Nur noch ganz wenige Videotheken halten sich noch.

Wir wollen mit diesem Artikel mal wieder eine Lanze für den lokalen Fahrradfachhandel brechen.

Wie es derzeitig auf dem Markt im Allgemeinen so aussieht:

Wir wissen alle bereits, dass das „übergroße böse, böse Internet“ bei Bikes und Zubehör in vielen Fällen fast immer die besseren Preise bietet. Gerade bei Umbauten und Upgrades und einem vorhandenen Zeitfenster von ein paar Tagen werden wir als Kunden immer zum günstigsten Anbieter gehen und dabei gerne zwei bis fünf Tage Lieferzeit in Kauf nehmen.

Wir wissen, dass der Fachhandel seine Ersatzteile im Großhandel bezieht, doch der örtliche Händler längst nicht die Einkaufspreise bekommt, die er bräuchte. Oftmals liegen von vielen Ersatzteilen die Verkaufspreise im Internet noch deutlich unter dem eigentlichen Einkaufspreis des örtlichen Händlers. Er hat hier kaum Spielraum und zu 90% weder Investitionskapital noch Platz für die Lagerhalterung, um das mit Mengenbestellungen abzuändern. Wahrscheinlich hat er auch nicht den Kundenstamm, der es ermöglicht, 1000Stk Reifen von nur einer Sorte, mal eben schnell abzuverkaufen. Bei den verschiedensten Reifentypen und -größen dürfte klar sein, dass hier Lagerhaltung auch einen nicht unerheblichen Lagerplatz erfordert. Selbst in Stadtrandlagen für lokale Händler kaum machbar.

Wir wissen auch, dass die Fachhändler zu 98% keine Fachverkäufer haben, was bei vielen eigentlich dringend notwendig wäre. Den Job machen die angestellten Zweiradmechaniker gleich mit. Entsprechend gering ist die Verkaufskultur und entsprechend hoch ist der Stress dieser Mitarbeiter. Einige Händler kommen bei einer Reparaturanfrage gleich mit dem Worst-Case-Szenario und erklären, was die Reparatur kosten könnte falls (und bestimmt ist das dann auch so) es teurer wird. Leider gibt es auch solche Spaßvögel, die einem erklären, dass man einfach Blaubeersaft in die Flasche füllen soll, nur weil er keine blauen Flaschen hat. Ist uns erst in dieser Woche in einem Geschäft passiert. (In solchen Fällen wünsche ich mir immer, dass das Angebot der Online-Händler nicht groß genug sein kann oder ein Komet genau auf… lassen wir das. *grummel*)

Es soll günstig sein. Idealerweise ist die Montage von Teilen im Teilepreis schon enthalten. Macht man es selbst, kostet es ja schließlich auch Nichts. Wir wollen perfekt beraten werden und nach Möglichkeit mit den Favoriten aus den Ausstellungen noch eine Probefahrt von mehr als 30 Metern machen. Und wir wollen als Kunden dann noch immer den günstigsten Preis. Tolle Einstellung. Leider die Falsche. Droht dem Fahradfachhandel hier ein ähnliches Schicksal wie den Videotheken?

Was passiert eigentlich, wenn wir Online bestellen?

Wir haben eine Vielzahl an Artikeln in verschieden Formen, Farben und Varianten. Wir haben eine Beschreibung, die mal irgendwann erstellt wurde (manchmal auch nur schlecht übersetzt) und der wir glauben müssen. Klicken wir auf den Kaufbutton im Onlineshop wird eine Bestellung ausgeführt. Jemand (ein Mensch) erhält die Bestellung, sucht den Artikel in einem mehr oder weniger großen Lager, verpackt ihn, packt die automatisiert erstellte Rechnung hinein, klebt den automatisiert erstellten Paketschein drauf und packt das Paket in die Box zur Postabholung. Das war es auch schon. Je nach Artikel und Versandstruktur des Shops dauert das nicht lange. Der Jemand (ein Mensch) hat keine Beziehung zum bestellten Produkt und zum Besteller. Auf zum nächsten Paketzettel.

Was passiert, wenn wir beim Händler kaufen?

Zuerst haben wir die Möglichkeit, das gewünschte Produkt anzufassen. Wir können probieren, abwiegen, sehen, fühlen, tasten, ja auch eine Probefahrt machen, was anderes testen und uns nochmal zurück entscheiden. Jetzt kaufen wir das Produkt. Der Händler hat das Produkt für uns ausgepackt, geprüft, eingestellt, präsentiert, ggf. komplett montiert, fahrfertig gemacht und uns bereits bis hier ausführlich beraten. Er hat übrigens auch seinen Laden für uns gefegt und beleuchtet. Er hilft uns aus der Tür und wir haben das Produkt sofort. Zudem hat er, je nach Produkt auch unsere Anschrift und kann uns bei etwaigen Rückrufen zeitnah informieren. ER hat eine Beziehung zum Produkt und durch den direkten Kontakt mit uns auch eine Beziehung zu uns.

Wollen wir jetzt noch immer den günstigsten Online-Preis?

Das funktioniert nicht und das dürfte den meisten Kunden auch klar sein. Das kann so nicht gehen und bewies sich in vielen Branchen bereits als Kontraproduktiv. Es dauert nur immer eine ganze Weile, bis Menschen verstehen, dass nicht alles neue auch zwangsläufig viel besser ist. Wenn man aber die lokale Infrastruktur stark schädigt oder gleich ganz zerstört, ist es hinterher schwierig, wieder den Weg zum klassischen Handel zu finden.

Stellt Euch mal vor, die ganzen Streaming-Dienste stellen den Service ein, da sie nicht mehr genug verdienen und die Kosten nicht decken können, verboten werden oder sonstetwas. Noch ist es ein Wachstumsmarkt im Milliarden-Volumen und wird nicht passieren. Doch was passiert, wenn es dann doch mal so kommt? Was passiert dann mit den ganzen digital gekauften und vor allem digital gespeicherten Filmchen? Alle weg! Auf in die nächste Videothek! Ups, keine mehr da.

Probleme treten spätestens dann auf, wenn man mal was reparieren lassen muss. Die gesetzliche Garantie ist ja ganz schön, doch die Reparaturabwicklung im Garantiefalle bisweilen Tricky und für viele nicht händelbar. Es ist oft schon kompliziert genug, den Garantieservice bei einem Supermarkt- /Baumarktfahrrad in Anspruch zu nehmen. Für kleinere Wartungsarbeiten will man das Rad ja auch nicht wegschicken und tagelang oder gar wochenlang verzichten. Reifenwechsel, Schlauchreparaturen, Nachstellarbeiten an der Schaltung, etc.. Wer macht das noch?

Schaut man sich die Werkstattarbeiten nach den gängigen Preislisten an, möchte man meinen, dass es dem Bikeshop richtig gut gehen müsste. Knapp 12 Euro für den Bereifungs-/Schlauchwechsel am Vorderrad scheinen für die Profis ein guter Satz. Ein schneller Monteur macht das in 5 Minuten. Da könnte man doch steinreich werden, oder? Dumm nur, dass das nicht 10x pro Stunde vorkommt. Das ist mit Kundengespräch, Beratung, Deckenauswahl, Übergabe, Kurzcheck auch in 5 Minuten in der Realität nicht gemacht.

Inzwischen wehren sich viele Händler, Räder oder Teile aus dem Onlineversand überhaupt anzufassen. Besonders Kunden mit den Supermarkt-eBikes können ein Liedchen davon singen. Aber hier sind es rechtliche Gründe, die den Händler dazu veranlassen. Geht irgendwas an dem Produkt (Fahrrad) kaputt, nachdem er es in der Hand hatte, welches er selbst nicht bis ins Detail kennt, muss er dafür u.U. in Haftungsleistung gehen. Wer will das schon?

Der Kauf im Netz ist jetzt nicht grundsätzlich zu verteufeln. Man kann und soll es auch machen. Es spricht grundsätzlich nichts dagegen. Wir kaufen hier unsere Räder und Ersatzteile teilweise auch im Internet. Manchmal sogar teurer. Das bekommt man aber meistens erst hinterher mit. Es gibt inzwischen aber auch verdammt viele und vor allem gute und schnelle Händler mit riesigen Angeboten.

Your turn – Deine Entscheidung

Ohne Fachhandel wären wir hier aber wirklich auch oft schon aufgeschmissen gewesen. Wenn sich mal wieder eine Lagerbuchse nicht lösen lässt oder ein Teil „auf die Schnelle“ oder gar am Samstag Nachmittag benötigt wird. Rein praktisch gesehen, würden wir hier auch gänzlich alles im Fahrradfachhandel kaufen wollen.

Der Fachhandel wird gebraucht. Dauerhaft. Service und Reparaturen macht Euch im Internet niemand. Ok, Service ja, wenn man die Do-it-yourself-Wartungsvideos als Service bezeichnen will. Letztlich gilt es dann aber trotzdem – selbst machen. Das kann und will nicht jeder. Ich kann mich erinnern, dass zu meiner Jugendzeit JEDER Schulkamerad seinen Reifen selbst wechseln konnte. Wie sieht es denn heute so aus? Der Großteil der Jugend sucht hier wahrscheinlich auf dem Smartphone nach einer App dafür oder nach einem Anleitungsvideo und ein defektes Rad steht eher wochenlang ungenutzt herum. Das muss nicht sein.

Wenn man wenigstens ab und an mal beim örtlichen Fachhändler vorbei schaut und was mitnimmt, stärkt man schon den lokalen Markt. Wenn ein bis zwei Händler je Stadt plötzlich schließen würden, sähen Wartezeiten bei Reparaturen, Preise und Kundenservice wahrscheinlich noch schlechter aus.

Die lokalen Händler brauchen Deine Unterstützung. Beratung, Probefahrt, Service, Kontakt bei eventuellen Rückrufen und so manche Gratis-Handreichung sind für Fahrradkäufer enorm wichtig. Je besser der Händler seine lokalen Kunden kennt, desto besser kann er sich und sein Angebot auf den Kundenkreis einstellen. Schon jetzt gibt es in vielen Städten Händler, die sich direkt spezialisiert haben. Hier der Händler mit dem aktiven Sport- und Fitnessbereich und anderswo der Händler mit den City-Bikes für die Generation 50+. Einige tolle Fahrradshops gibt es, die Eigenmarken in tollen Ausstattungen verkaufen. Spezialisierung der besonderen Art irgendwie.

Der Fachhandel will und muss Dich als Kunden besser kennenlernen um sich selbst verbessern zu können.

Übrigens ist auch ein, vom Profi gewartetes Rad, auch immer ein sehr sicheres Rad.

Es ist Deine Entscheidung. Unterstütze Deinen lokalen Händler.

Es lohnt sich, meint

kettentour.de.