Fahrradreparatur – Das braucht die Hobbywerkstatt

Die Selbstreparatur des eigenen Zweirades hilft nicht nur, mitunter jede Menge Geld zu sparen, sondern fördert auch das technische Verständnis für die Komponenten. Doch was braucht man in der Hobbywerkstatt wirklich an Werkzeug? Wir zeigen es in diesem Artikel.

Werzeugtipps für die heimische Fahrradwerkstatt

DIY (Do-it-yourself) macht Spaß und die Sommerzeit ist immer auch Schrauberzeit. Viele wollen gerne ein paar Reparaturen selbst ausführen. Die minimale Grundausstattung an Standardwerkzeug sollte dabei aber schon vorhanden sein. Sonst macht das auch keinen Spaß und wird eher zur Qual. Was benötigt man denn nun mindestens, wenn man sich eine kleine Hobbywerkstatt für Fahrradreparaturen einrichten will?

Grundausstattung Werkzeug für die Fahrradreparatur

  • Maulschlüssel / Ringschlüssel – Set – von 6mm bis 19mm
  • Sechskantschlüssel – als Set von 10 bis 2mm  – Ideal sind die mit einem Ballende
  • Schraubendreher – Set – Flach und Kreuzschlitz braucht man an vielen Stellen
  • Kneifzange oder Seitenschneider – zum kürzen von Seilzügen und Kabeln
  • verstellbare Maulschlüsselzange – sinnvoll als Gegenhalter beim Kurbelabzieher
  • Hammer – macht natürlich auch manchmal Sinn – Bitte Holzstück unterlegen!

Mit dieser Ausstattung kann man durchaus schon einige Reparaturen selbst bewerkstelligen. Hier reicht die Skala entsprechend von allen verwendeten Schrauben zu den vorhandenen Werkzeugen. Aber Schutzbleche, Sättel, Licht und Seilzüge bekommt man damit schon repariert und spart sich ein paar Euro in der Fahrradwerkstatt.

Doch richtig Spaß bei der Fahrradreparatur oder beim Neuaufbau eines Rades kommt erst auf, wenn man sich eine kleine Auswahl an speziellem Fahrradwerkzeug zulegt. Hier kann man dann auch die Reparaturen durchführen, die in der Fachwerkstatt doch richtig Geld kosten können. Allerdings gilt hier immer: Nur das machen, was man sich wirklich zutraut und auch das entsprechende Werkzeug hat.

Fahrradwerkzeug Fahrradrepa in Fahrradreparatur - Das braucht die Hobbywerkstatt

Spezielleres Werkzeug direkt für die Fahrradreparatur in der Hobbywerkstatt

  • Montageständer
    Wer vernünftig an einem Fahrrad schrauben will, braucht einen ordentlichen Montageständer! Die Auspuffanlage am Auto wechselt man ja auch nicht, wenn der Wagen auf dem Boden steht. Der Montageständer bringt eine optimale Arbeitshöhe, Krafteinsparung und auch einen anderen Blickwinkel auf das Rad. Zudem sind die Räder dadurch freidrehend, wenn man die Schaltung einstellen will. Beliebt ist bei Hobbyschraubern das „Lidl-Teil“, welches es zweimal im Jahr für 25,-€ gibt. Wer öfter oder an mehreren Rädern schraubt, sollte allerdings höherwertige Geräte kaufen.
  • Reifenheber
    3 Stück ggf. verschiedene Breiten sollte man zusätzlich zum Bordwerkzeug des Fahrrades parat haben. So sind Schlauch- und Reifenwechsel auch in Eigenregie realisierbar. Ein Problem ist ein Schlauchwechsel auch nicht, wenn man es ersteinmal gemacht hat. Vielleicht mal von jemanden zeigen lassen, dann geht’s beim nächsten mal fast von alleine.
  • Kettennieter
    Preiswerte Kettennieter gibt es schon für 5 bis 8 Euro im Baumarkt oder im Fachhandel. Mit diesem Werkzeug kann man Ketten ohne Kettenschloss öffnen, wenn man die Schaltung wechseln will oder die Kette wegen Verschleiß oder Rost austauschen will. Idealerweise vorher mal genau die Kette entlang schauen, ob nicht doch ein Schloß drin ist.
  • Kettenzange
    Mit einer speziellen Kettenzange kann man Kettenschlösser leicht öffnen und muss sich so nicht die Finger verbiegen. Diese Kettenzangen gibt es im Radfachhandel für ca. 20 Euro. Ob man sie wirklich braucht, entscheidet wohl die Menge der zu wechselnden Ketten im Jahr. Also quasi der eigene Fahrradbestand.
  • Speichenschlüssel
    Die Nippelspanner sind ein wichtiges Tool in der Hobbywerkstatt. Hier kann man schnell leichte Unwuchten im Rad auszentrieren und muss das Rad nicht gleich in den Service bringen. Anleitungen zum Zentrieren gibt es reichlich im Netz. Ein Qualitätskauf für ca. 15 Euro lohnt sich hier. Ideal sind übrigens noch die kleinen Dinger aus DDR-Zeiten.
  • Pedalschlüssel
    Pedale unterliegen ständigem Verschleiß. Tretkraft, Material, Feuchtigkeit, Sand von den Schuhen – Pedalen sind schnell hinüber. Ein Wechsel in Eigenregie lohnt besonders, wenn man sehr preiswerte Pedale fährt. Ein guter Pedalschlüssel hat 14mm und 15mm Aufnahmen. So kann man die Pedale leicht entfernen und auch wieder befestigen.
  • Zughüllenzange
    Ein Seitenschneider oder eine gute Kombizange tuns zwar auch, doch sie zerquetschen die Zughülle und schneiden nicht gerade ab. Man muss die Öffnung mit einer Ale nacharbeiten. Eine ordentliche Zange für Zughüllen gibt es für 25 Euro und lohnt sich, wenn man oft an den Seilzügen bastelt oder die relativ häufig an vielen Rädern erneuert. Der Arbeitskomfort ist schon erheblich.
  • Kurbelabzieher
    Diesen braucht man jetzt nicht zwingend, doch ab und an eben mal doch. Circa 8 Euro kosten preiswerte Universalabzieher. Die reichen eigentlich für den Hausgebrauch und sind für 4-Kant und Octalink-Kurbeln geeignet. Man wechselt die Kurbelgarnituren ja nicht jede Woche, kann so aber durchaus einiges an Geld in der Werkstatt sparen.
  • Kassettenabzieher
    Wer sich mit dem Rad sportlich betätigt kommt unter Umständen nicht darum herum, auch mal die Kassette zu welchseln. Fahrräder kommen leider mit einer Universalbestückung, die den Verkauf und den Einsatz weltweit möglich macht. Etwas Anpassung an die eigene Region kann hier schon Sinn machen. 3fach/9fach mit 36/32 braucht man hierzulande eigentlich nur, wenn man seine eigene Garagenauffahrt 150x am Tag hochfahren will. 10 Euro sind hier für einen Kassettenabzieher gut investiert.
  • Kettenpeitsche
    Wer einen Kassettenabzieher kauft, sollte auch gleich eine sogenannte Kettenpeitsche kaufen. Diese hält beim Abziehen den Ritzelkranz fest. Ein Ölfilterschlüssel vom Auto mit Lederriemen tut’s notfalls zwar auch, doch ist eher unprofessionell. Einfache Kettenpeitschen gibt es schon für 15,- Euro im Radfachhandel und die Arbeit ist damit schnell erledigt.
  • Drehmomentenschlüssel oder Drehmomentenratsche
    Besonders an Ahead-Vorbauten und Sattelstützen gibt es Vorgaben für das Anzugsdrehmoment. Eigentlich gibt es die ja für alle Schrauben, denn nach fest kommt bekanntlich Ab. Wenn also 5NM auf dem Lenkervorbau stehen, bedeutet das auch 5NM und nicht mehr. Eher sollte man darunter bleiben um Schäden am Material zu vermeiden. Mit einem Sechskant-Schlüssel bringt man zuviel Anzugsmoment auf die Schraubverbindung. Eine Drehmomentratsche gibt es schon ab 25 Euro im Baumarkt.
  • Meßschieber (darf auch digital sein)
    Schon mal einen Sattelrohrdurchmesser von außen mit einem Zollstock (Gliedermaßstab) gemessen. So richtig mit anlegen und schauen? War wohl eher schätzen. Ein Meßschieber ist für viele Arbeiten, besonders beim Austausch von Teilen, ein wichtiges Arbeitsgerät. Selbst Geräte mit Digitalanzeige gibt es schon für 15 Euro bei Aldi.

Bei Bedarf sollte / muss man seine Hobbywerkstatt noch um einige andere Werkzeuge aufstocken. Das zeigt dann aber eher die Arbeit, die man ausführen will oder muss. Mit der Grundausstattung und ein paar Spezialwerkzeugen sieht man die Fahrradwerkstatt nun seltener.

Weiter sollten einige Pflegemittel in der Hobbywerkstatt bei einer Fahrradreparatur bereitstehen.
Was braucht man hier?

  • Talkum oder Babypuder – für Reifenreparatur
  • Kettenfett – Ein Blick und etwas Service für die Fahrradkette schadet bekanntlich nie.
  • Feinmechaniköl – für Schaltung und andere bewegliche Teile
  • Lackreiniger – damit das Rad hinterher auch ordentlich gewienert werden kann
  • WD-40 – Das Wundermittel der Deutschen hilft natürlich auch bei Schrauben am Rad.
  • Lagerfett – wer am Lenkervorbau oder an älteren Kugellagern herumschraubt braucht’s
  • Alkohol – (aus der Apotheke) ist ideal bei festsitzenden Griffen.

Mit dieser kleinen Werkzeugkiste ist man für die meisten Reparaturen und Servicearbeiten schon recht gut gerüstet. Es gilt aber weiterhin, dass man nur das machen sollte, was man sich zutraut und wofür das Werkzeug auch vorhanden ist. Nichts finden Radservicestationen schlimmer, als an einer angefangenen Reparatur weiterschrauben zu müssen.