Kettler nun in Insolvenz

Produkte des Traditionsunternehmens Kettler kennt wohl jeder. Neben Fahrrädern, Rollern, Tischtennisplatten und vielen weiteren Sportgeräten erfand Kettler auch das berühmte und beliebte Kettcar. Doch nun hat der Markt auch dieses Unternehmen gefressen und Kettler musste  Insolvenz anmelden. Mehr dazu lesen Sie in diesem Artikel.

Hersteller der Kettcars meldet Insolvenz an

Kettcar in Kettler nun in InsolvenzFahrräder von Kettler gehörten in den 80er und 90er Jahren zum Edelbestand eines jeden Fahrradfachhandels. Der „Erfinder“ der Aluminiumfahrräder brachte besonders im City- und Trekkingsportbereich solide, aber auch hochpreisige Räder auf den Markt, die bis heute noch immer hervorragend funktionieren. Frühzeitig orientierte sich Kettler bereits auf den breiteren Sport- und Freizeitmarkt und brachte neben Kinderrollern, Tischtennisplatten, Heimtrainern und vielen anderen Geräten auch eine wirkliche Eigenerfindung auf den Markt.

Das Kettcar. Wer kennt es nicht, das quietschbunte Tretauto, mit dem sogar Schumi und Frenzen als Buben schon die ersten Runden gedreht sind um dann später vielleicht genau deswegen Blut für den Motorsport zu lecken. Mit mehr als 500.000 Exemplaren pro Jahr, wahr Kettler hier absoluter Platzhirsch. Dazu das Fahrradgeschäft und der Sportartikelbereich. Das alles machte Kettler groß und weltweit bekannt.

Kettcar Lliput Ddr in Kettler nun in Insolvenz

Und wenn was cool und innovativ ist, wird es weltweit auch kopiert bis zum Umfallen. Verändert, verbessert, abgewandelt oder gleich frech direkt nachgebaut. Das war schon früher so und ist heute noch viel schlimmer. Die DDR-Version des Kettcars beispielsweise, hier mit 3 Rädern, auf dem wir selbst viele Stunden verbrachten und so auch so manche Schrammen holten. Aber auch das konnte das Unternehmen im Erfolg nicht wirklich bremsen.

Doch der Absatzmarkt ist für die ganze Branche schwierig geworden. Sollte nicht so sein, sollte man eigentlich meinen, denn der Radmarkt boomt doch und Räder und Spielgeräte für draußen gehen doch gerade jetzt wie warme Semmel.

Dem ist leider nicht ganz so. Es sind zu viele Hersteller, Konsortien und Billiganbieter auf dem Markt. Der Preisdruck ist enorm und die Vertriebswege vielfältiger als noch vor 20 Jahren. Der „Globalisierung sei Dank“ und der „Geiz-ist-immernoch-geil-Mentalität“ der Bevölkerung, kaufen wir ja Neuschrott mit billigsten Anbauteilen für 239,- Euro im Supermarkt. Das Internet ist ebenfalls ein Schuldfaktor. Welches Kind hat heute noch ein Kettcar oder einen ordentlichen Roller? Gameboy, Handy, Laptop, Spielkonsole sind selbst bei den Kleinsten da eher zu finden. Die 6jährigen heute wissen eher, wie man ein Pokemon trainiert als wie man eine Garagenauffahrt damit herunterfährt und noch rechtzeitig vor dem Tor zum stehen kommt.  😉

Kettler gilt noch als Familienunternehmen und wird derzeitig von Karin Kettler, der Tochter des Firmengründers geführt. Das Insolvenzverfahren ist so gestaltet, dass eine „unabgestimmte Übernahme durch Finanzinvestoren“ vermieden werden soll. Gute Entscheidung, denn mit solchen Übernahmen beginnt in 99% aller Fälle der Ausverkauf und die Zerschlagung eines Unternehmens in viele Teilbereiche, die alleine dann hinterher zwar saniert, aber längst nicht überlebens- oder marktfähig sind. Grundsätzlich ist eine Insolvenz für Unternehmen nichts Schlechtes. Viele Unternehmen mit Finanzschwierigkeiten konnten sich so einige Luft verschaffen und die Geschäfte anders regeln und sich damit retten. Nicht jedes Unternehmen in Insolvenz ist auch wirklich schon tot. Manchmal ist eine Insolvenz eben auch das Beste, was dem Unternehmen im Augenblick passieren kann.

Das Unternehmen Kettler ist auch Krisenerfahren und ging selbst schon mehrfach durch schwere Zeiten. Es hat bis heute seinen Sitz im sauerländischen Ense. Made in Germany halt. In Deutschland sind noch etwa 1100 Menschen direkt bei Kettler beschäftigt. Die, am Amtsgericht Arnsberg beantragte, Insolvenz des Unternehmens  soll, so verlautete es aus dem Unternehmen, selbiges in Eigenregie wieder sanieren. Es gibt daher keinen klassischen Insolvenzverwalter. Ein vorläufiger Sachwalter fungiert nunmehr als Schlüsselposition und segnet nunmehr die künftigen Geschäfte und Strategien wie eine Art Aufsichtsrat ab. Gleichzeitig ist Kettler dadurch vor den Ansprüchen der Gläubiger geschützt. Das Amtsgericht in Arnsberg hat Christoph Schulte-Kaubrügger von der Kanzlei White & Case zum Sachwalter berufen.

Wollen wir hoffen, dass es ihm gelingt, dieses Traditionsunternehmen wieder auf Kurs zu bringen und das Haus Kettler wieder auf ruhigere Asphaltwege zu bringen.

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