Projekt Veggie – 90 Tage danach

Das Langzeitprojekt „Vegetarische Ernährung“ hat die ersten 3 Monate überstanden. Jedenfalls als Experiment. Doch der geplante Verzicht auf Fleisch und tierische Fette gestaltet sich schwieriger als gedacht. Warum das so ist, erfahrt Ihr in diesem Artikel.

Projekt Veggie – Teil 4 – 90 Tage danach

Der Plan, sich mal über einen längeren Zeitraum gesünder zu ernähren und dabei auf Fleisch und tierische Fette verzichten zu wollen, gestaltet sich leider doch etwas schwieriger als gedacht. Ganz ehrlich hatte ich es mir persönlich viel einfacher vorgestellt. Kein Fleisch mehr, der Rest etwas mehr aus dem Bio-Regal und gut. Und natürlich das Resultat: Trotzdem fitter und gesünder leben.

Leider muss ich mir nach 3 Monaten Test nun irgendwie langsam eingestehen, dass man als Mensch doch ein „Allesfresser“ ist. So ganz ohne Fleisch/Wurst geht es wohl doch nicht. Oder nur noch nicht? Wo liegen die Ursachen?

Viele Stunden Recherche und etliche gute Kontakte zu Vegetariern brachte das Projekt bereits. Das ist auch gut so, denn das motiviert ungemein und erinnert jedes mal am Kühlschrank daran, die Wurst liegen zu lassen. Unzählige Stunden habe ich mich auch mit verschiedenen Leuten unterhalten, auf Webseiten gelesen, Gerichte gefunden und ausprobiert und gute Videos gefunden und natürlich gesehen.

Dabei stieß ich auch auf viele wirtschaftliche und wirtschaftspolitisch interessante Fakten, die einem bei diesem Projekt nur unterstützen sollten. Grundsätzlich geht es, so glaube ich inzwischen selbst jedenfalls, nicht mehr zwingend darum, sich vegetarisch zu ernähren, sondern eher um die Tatsache, dass sich der Mensch schon lange nicht mehr nachhaltig genug enthält. Dabei ist mir die Methan-Emission von Kühen, die angeblich auch das Klima maßgeblich beeinflussen, ziemlich egal. Aber tatsächlich werfen wir einfach zuviel weg.

Bei der Recherche zur eigenen gesünderen Ernährung stieß ich beispielsweise auf ein wahnsinnig gutes und förderwürdiges Projekt aus Berlin, welches inzwischen auch in anderen Großstädten in Deutschland Fuß fasst. Speziell meine ich hier das Projekt foodsharing.de und die Aktionen des Gründers Raphael Fellmer. Zahlreiche Reportagen sind in der Youtube hinterlegt und durchweg sehenswert. Auch Fahrräder kommen in den Reportagen nicht zu kurz, da sich foodsharer ja nun nicht mit dem dicken BMW durch die City quälen. Alles etwas alternativ angehaucht, umweltbewusster und interessant zu sehen, bevor man wieder die Joghurts aus dem Kühlschrank in die Tonne kloppt, obwohl bis zum MHD noch zwei Tage sind. Die Initiative Fair-Teiler mit vielen Lebensmittelkörben verbreitet sich langsam aber konsequent. Das scheint mir persönlich der richtige Ansatz. Wir produzieren zu viele Lebensmittel, die in unserer Überflußgesellschaft doch zu schnell weggeworfen werden und anderswo auf der Welt eigentlich hingehören. Welthunger gäbe es nicht, würde die Verteilung stimmen.

So ganz ohne Fleisch/Wurst geht es hier bei diesem Experiment also noch nicht. Man ist einfach zu sehr daran gewöhnt und viele Gerichte für den Rest der Family werden eben auch mit Bratensauce gemacht oder enthalten tierische Fette. Es geht mir ja nicht darum, auf Fisch, Eier und Milch auch noch zu verzichten und mich nur noch von Bananen ernähren zu wollen. Allerdings gibt es deutlich mehr Obst und Fischprodukte als noch vor einigen Monaten. Vielleicht unbewusst schon eine Umstellung. Ein Teilerfolg der letzten 30 Tage ist wenigstens, dass sich der Fleischkonsum auf zwei Tage in der Woche reduziert hat. Das reicht auch irgendwie. Vorerst jedenfalls.

Da es bei mir/uns hier ohne Fleisch (noch) nicht ganz geht, dreht sich das Projekt Veggie derzeitig eher in die Richtung Nachhaltigkeit und Verbrauchsoptimierung. Das scheint auf Dauer auch sinnvoller. Wenn das Brot, welches mit hohem Energieaufwand produziert wurde, nicht schon am nächsten Tag im Eimer landet und ein neues gekauft wird, ist das vielleicht eher ein Ansatz. So ganz in die Richtung Vegan wird es wohl nie gehen. War auch nie so geplant. Zudem habe ich nicht viel Lust mir merken zu müssen, was aus was hergestellt ist und was man nun als Veganer wirklich essen darf und was nicht.

Erfrischte Grüße