UCI erlaubt doch Scheibenbremsen

2015 ist das Jahr der Scheibenbremsen an Rennrädern. Was schon seit fast 10 Jahren im MTB-Bereich gut funktioniert und im CycloCross auch praktiziert wird, darf nunmehr auch an Wettkampfrennrädern Verwendung finden. Freude pur? Jein! Nur nicht zu voreilig freuen.

UCI testet Scheibenbremsen an Tour-Rädern

Die UCI kündigte an, das Reglement für offizielle UCI-Veranstaltungen möglicherweise ändern zu wollen. Dies betrifft diesmal die Benutzung der Scheibenbremsen an Rennrädern. Jeder Hersteller hat sie inzwischen schon im Programm und im Privatmarkt erfreuen sich diese Räder besonders großer Beliebtheit.

Die UCI ist allerdings ein recht träger Verband, der weltweit die Regeln für Radsportevents von größerem Ausmaß bestimmt und hier vorgibt, was eigentlich erlaubt ist und was nicht. Gut. Einiges ist zum Schutz der Fahrer durchaus sinnvoll verboten, doch viele Neuerungen aus der Industrie kommen so nicht in den Wettkampfeinsatz. Leider gilt auch im Radsport die Devise: „Was die Profis nicht nutzen, taugt auch nichts!“ Wenn ein Profifahrer etwas benutzt und erklärt, dass es für ihn optimal ist, will man es als RTF-Fahrer auch. Egal, wieviel Geld man dafür hinlegen muss. Bestes Beispiel: Elektrische Schaltungen, Carbonrahmen, 11fach-Kränze, Wing-Lenker, etc.

Scheibenbremse in UCI erlaubt doch ScheibenbremsenJetzt sollen, so UCI President Brian Cookson, diese Bremsen auch in offiziellen Rennradveranstaltungen eingeführt werden dürfen. Allerdings mit Einschränkungen. Im August und September dürfen die Teams diese Bremsen bei Veranstaltungen verwenden. Brian Cookson sagte allerdings auch:

“Although disc brakes have been used for around a decade in mountain biking and for the last two years in cyclocross, their introduction to road cycling must be carefully studied in collaboration with all those who are directly concerned. That includes riders, teams and manufacturers. This step is part of the UCI’s desire to encourage innovation in order to ensure cycling is even more attractive for spectators, riders, bike users and broadcasters.”

Also noch längst nicht zugelassen sondern nur in Testphase. Viele Privatfahrer schwören bereits auf diese Bremsen. Ein großer Unterschied zu den Felgenbremsen stellt sich hier vor allem bei Feuchtigkeit ein. Scheibenbremsen packen hier deutlich besser zu. Auch die Dosierbarkeit bei Abfahrten ist besser und die Felge wird durch die Haftreibung nicht warm oder gar heiß. Die Scheibe kann, bauartbedingt, auch schnell wieder abkühlen und immer optimale Leistung im Zusammenspiel mit den Bremsbelägen liefern. Ein Nachteil dieser Bremsen ist die Wartungsintensivität – insbesondere bei den neueren hydraulischen Bremskörpern. Als technisches Embryo ist man da öfter mal Gast bei der örtlichen Fahrradwerkstatt.

2016 will die UCI dann weiter testen und dann entscheiden, ob man diese Bremsen für alle offiziellen Rennen ab 2017  direkt zulassen will. Ein weiter Weg noch bis dahin und der Druck der Industrie, die den Verkauf dieser Bremsen über den Profibereich forcieren will, scheint schon spürbar. Verschweigen sollte man allerdings nicht, dass selbst Profiteams – respektive deren Fahrer – teilweise sehr skeptisch sind und die Genehmigung dieser Bremsen nicht unbedingt begrüßen. Never change a running system.

Bislang darf man sich, so man denn kann und will, als Privatfahrer diese Scheibenbremsen an nagelneuen Rennrädern schon kaufen und auch RTF-Rennen damit bestreiten. Zu den Scheibenbremsen sind allerdings auch  nervige Schleifgeräusche und unrunde Bremsscheiben bereits bekannt. In wieweit das relevant ist, können wir an dieser Stelle nicht beurteilen. Der Fachhändler hat da die besseren Antworten und kann genau sagen, wie oft er mit Scheibenbremsproblemen konfrontiert wird, oder eben auch nicht. Im Netz gilt ja leider, dass jedes schlechte Posting über eine Sache circa 10x stärker wiegt als ein positives.

Ausprobieren hilft aber bekanntlich und ein eigener Vergleich im örtlichem Fachhandel ist hinterher jeglichem Zweifel erhaben.

Aber freuen wir uns bis dahin mal auf 2017, wenn die Glitzerscheibchen dann auch (vielleicht) offiziell durch Italien, Belgien, Frankreich und anderswo rollen.

Quelle: VeloNews / UCI Pressemitteilung / Foto: Ausschnitt Stevensbikes Super Prestige Disc